{"id":178,"date":"2016-05-23T11:09:00","date_gmt":"2016-05-23T09:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/?p=178"},"modified":"2017-12-28T18:10:45","modified_gmt":"2017-12-28T17:10:45","slug":"weit-weg-einfach-nur-weit-weg-hatte-es-ihr-durch-den-kopf-gehaemmert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/178\/weit-weg-einfach-nur-weit-weg-hatte-es-ihr-durch-den-kopf-gehaemmert\/","title":{"rendered":"Weit weg, einfach nur weit weg &#8211; hatte es ihr durch den Kopf geh\u00e4mmert"},"content":{"rendered":"<p>Rauschend schlugen die Wellen gen Strand. Die Luft war hei\u00df und salzig. Der Geruch des Meeres str\u00f6mte durch Friedas Nase. Ihr K\u00f6rper war noch nass vom Schwimmen. Ihr Blick wanderte durch die Bucht. Felsen, Steine und hier vor ihr ein kleiner, flacher Abschnitt mit Sand. Kaum Menschen zu sehen. Das saftige Gr\u00fcn begann schon wenige Meter hinter dem Meeresufer. Und dann gleich B\u00e4ume, einige Palmen und andere Laubgeh\u00f6lze, deren Namen Frieda nicht bekannt waren. Dazwischen diese einfachen Holzh\u00fctten\u00a0 mit Strohdach f\u00fcr die Touristen. Die Einheimischen waren alle sehr freundlich gewesen und der Ausblick hier wie aus einem Bilderbuch der Tr\u00e4ume. Nur sie, Frieda C. Sangbrecht konnte das alles nicht entsprechend genie\u00dfen. Gut, sie war nicht mehr verzweifelt und sie hatte auch die Tabletten, die ihr der Neurologe verschrieben hatte, schon fast wieder abgesetzt, ja zumindest reduziert, weil sie das Gef\u00fchl hatte, diese w\u00fcrden ihren Verstand angreifen, ihre Eigenart verderben. Ihre Gef\u00fchle wollte sie behalten, das war ihr wichtig, wie gro\u00df die Qual auch noch werden sollte.<br \/>\n\u201eJa, von Qualen konnte man laut reden und von Folter, ja &#8211; auch wenn gar keine Vollzugsanstalt von au\u00dfen zu sehen war. Es ist \u201adie Grausamkeit des eigenen Herzens\u2018, die wie tausend Klammern in Brust und Bauch und Kopf zu sitzen scheint und immer fester und fester zusammendr\u00fcckt, bis alle Begrenztheit zutage tritt und alle Auswege verstellt sind.\u201c Unz\u00e4hlige Beschreibungen und Darstellungen dieser Art geistern durch Friedas Kopf.<br \/>\nSie hatte sich an einem guten Tag, an dem sie die Kraft fand, die Wohnung zu verlassen, in ein Reiseb\u00fcro begeben und ohne viel zu \u00fcberlegen, die n\u00e4chstbeste S\u00fcdseedestination gebucht.<br \/>\n\u201eWeit weg, einfach nur weit weg\u201c, hatte es ihr durch den Kopf geh\u00e4mmert, damals, vorige Woche. Beim andauernden Langstreckenflug war ihr dann erst bewusst\u00a0 geworden, dass das Mittelmeer auch ihren Zweck erf\u00fcllt h\u00e4tte. Aber gut, es war halt so eine Idee gewesen, die in \u201aeinfach weg und schnell vergessen\u2018 ihren Ursprung fand. Sie hatte es so entschieden und jetzt war sie eben hier. Das war in Ordnung und sie merkte, dass sie auch ohne diese Tabletten nicht sterben musste und das war jetzt schon ein wirklich sp\u00fcrbarer Lichtblick.<br \/>\n\u201eWenigstens was\u201c, dachte sie, \u201eich lebe ja noch. Was f\u00fcr ein Wunder. Vor ein paar Wochen h\u00e4tte ich keinen Silberling mehr auf mich gewettet.\u201c<br \/>\nAnmutige, dunkelh\u00e4utige M\u00e4nner, die sie in ein Gespr\u00e4ch verwickeln wollten, lie\u00df sie abblitzen. Bet\u00e4ubende Animation zur Ablenkung von der Wirklichkeit wollte sie vermeiden. Selbst bei einem sympathischen, deutschsprachigen P\u00e4rchen, das in einem der Nachbarh\u00fctten ihren Urlaub zu verbringen schien, hatte sie bis jetzt keine Ambitionen f\u00fcr einen Urlaubskontakt erkennen lassen. Es war gar nicht ihr Anliegen, ganz allein zu sein. Es war nur so, dass sie nicht wusste, was sie Fremden so erz\u00e4hlen sollte. Fr\u00fcher, ja, da war ihr das ein Leichtes. Ersten war ihr Selbstwertgef\u00fchl in luftiger H\u00f6he, andererseits gab es nat\u00fcrlich durch ihr berufliches Engagement eine Unzahl von Anekdoten, die sie ganz leicht zum Besten geben konnte. Aber jetzt? Sollte sie jammern? Sollte sie l\u00fcgen? Sollte sie \u2026? Was h\u00e4tte sie sagen k\u00f6nnen?<br \/>\n\u201eWer bin ich \u00fcberhaupt, ohne meinen Beruf? Wer bin ich jetzt, was mache ich hier? Erholung? Wohl kaum. Oder doch? Aber wovon? Von der Arbeit oder von der K\u00fcndigung? Und dann? Und wo soll das hinf\u00fchren? Wie kann ich mich nun beschreiben, woran soll ich mich festhalten?<br \/>\n\u201eJa, ich bin Au\u00dfenbeauftragte von WWHI, Softwarelobbyistin und Chefverk\u00e4uferin in den Vereinigten Staaten. Ich bin unterwegs in den coolsten Gro\u00dfst\u00e4dten von London bis L.A. und kenne auch sehr bedeutende und vor allem erfolgreiche Leute. Ja, das bin ich und was machen Sie?\u201c<br \/>\nSo konnte sie reden und schnellstens wortgewandt und stressfrei attraktive Menschen anquatschen und alles lief dann weiter wie von selbst. Sie war immer so zufrieden mit sich. Und jetzt? Bitte \u2026 wer war sie jetzt?<br \/>\n\u201eWer ist man, wenn man keinen guten Job hat?\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rauschend schlugen die Wellen gen Strand. Die Luft war hei\u00df und salzig. Der Geruch des Meeres str\u00f6mte durch Friedas Nase. Ihr K\u00f6rper war noch nass vom Schwimmen. Ihr Blick wanderte durch die Bucht. 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