{"id":175,"date":"2016-05-23T11:02:18","date_gmt":"2016-05-23T09:02:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/?p=175"},"modified":"2017-12-28T18:09:23","modified_gmt":"2017-12-28T17:09:23","slug":"was-bin-ich-denn-ohne-diese-meine-arbeit-ein-nichts-ein-niemand-diese-arbeit-ist-mein-ein-und-alles-nein-mehr-noch-ich-bin-sie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/175\/was-bin-ich-denn-ohne-diese-meine-arbeit-ein-nichts-ein-niemand-diese-arbeit-ist-mein-ein-und-alles-nein-mehr-noch-ich-bin-sie\/","title":{"rendered":"Was bin ich denn ohne diese meine Arbeit? Ein Nichts. Ein Niemand. Diese Arbeit ist mein Ein und Alles. Nein, mehr noch, ich bin sie."},"content":{"rendered":"<p>\u201eKaffee?\u201c<br \/>\n\u201eNein, danke. Du hast mich herbestellt. Gibt\u2019s was zu besprechen?\u201c<br \/>\n\u201eWie geht\u2019s dir, Frieda?\u201c<br \/>\n\u201eAlles okay. Ist nicht schlecht gelaufen in Brooklyn, letzte Woche. K\u00f6nnte was werden.\u201c<br \/>\n\u201eK\u00f6nnte?\u201c<br \/>\nGustav Theodor Sundt lehnte sich in seinem gro\u00dfen Lederstuhl langsam, irgendwie aufreizend, wie Frieda f\u00fcr sich konstatierte, zur\u00fcck. Er verschr\u00e4nkte die H\u00e4nde hinter seinem Kopf und zog seine Augenbrauen in die H\u00f6he.<br \/>\n\u201eWas meinst du damit, Gustav?\u201c<br \/>\n\u201eDu wei\u00dft, was ich damit meine, meine liebe Frieda.\u201c<br \/>\nIn Friedas Bauch begannen sich unangenehme Empfindungen auszubreiten.<br \/>\n\u201eDeshalb hast du mich holen lassen? Verkaufe ich nicht gut genug? Meinst du das?\u201c<br \/>\n\u201eNur keine Aufregung, Frieda. Du wei\u00dft ja selbst sehr genau, dass da eine gewisse Euphorie verlorengegangen zu sein scheint. Ein freudiges Hochgef\u00fchl deinerseits, das unsere Kunden jahrelang begeistert hat.\u201c<br \/>\nSie hatte schon ein bisschen ein komisches Gef\u00fchl, als ihr Hannes, ein B\u00fcroangestellter mitgeteilt hat, dass der Chef nach ihr verlangt hat, dass sie zu ihm ins B\u00fcro kommen soll. Aber dass es gleich so wirklich direkt ans Eingemachte gehen wird, dass wunderte sie jetzt doch. Sie hatte aber gar keine Zeit, richtig \u00fcber ihre Lage nachzudenken.<br \/>\n\u201eUnd du glaubst also, ich bringe das nicht mehr und so wie ich arbeite, das ist nicht gut genug. So meinst du das?\u201c, antwortete sie scharf.<br \/>\nGustav Theodor Sundt beugte sich wieder vor zum Schreibtisch und blickte Frieda Christina Sangbrecht mitten ins Gesicht.<br \/>\n\u201eMir scheint, da hat sich so eine Art Pragmatismus eingeschlichen. Das ist halt in unserer Branche nicht das, was uns weiterbringt. Hast du schon Sabrina kennengelernt?\u201c<br \/>\nFrieda schauderte. Pl\u00f6tzlich war ihr ganz kalt geworden.<br \/>\n\u201eDu vers\u00e4umst durch deine Aufgaben nat\u00fcrlich etliche Teamsitzungen. Egal. Das ist jetzt auch nicht der Punkt. Aber Sabrina ist doch schon ein gutes halbes Jahr bei uns, gesehen haben musst du sie schon.\u201c<br \/>\n\u201eUnd? \u2026\u201c Frieda Ton ist sehr k\u00fchl geworden, sie hat unbewusst einen nicht sehr aussichtsreichen Abwehrkampf begonnen, der ihr schon jetzt sehr wehtat.<br \/>\n\u201eWas hat die jetzt mit mir zu tun?\u201c<br \/>\n\u201eSie erinnert mich an deine Anfangszeit, liebe Frieda. Da ist Feuer und Leidenschaft \u2026\u201c<br \/>\n\u201eWas ich jetzt, deiner Meinung nach nicht mehr habe. Verstehe ich das richtig?\u201c<br \/>\nGustav verzog die Mundwinkel zu einen kaum merkbaren Schmunzeln.<br \/>\n\u201eSo scharf h\u00e4tte ich das jetzt nicht gesagt, aber \u2026\u201c<br \/>\n\u201eSo gemeint\u201c, unterbrach ihn Frieda.<br \/>\n\u201eEs ist halt so\u201c, Herr Sundt, wie ihn fast alle anderen Mitarbeiter nannten, lehnte sich wieder \u2013 Frieda meinte provokant genussvoll \u2013 zur\u00fcck in seine weiche Lederlehne, \u201e dass wir ohne Leidenschaft und Enthusiasmus nicht weiterkommen und wenn wir nicht weiterkommen \u2013 na, was ist dann Frieda? \u2013 ja, dann k\u00f6nnen wir gleich zusperren.\u201c<br \/>\n\u201eWenn du das so sagst, wird das wohl schon beschlossen sein. Sonst redest du ja nicht. Du bist ja der Big Boss hier.\u201c<br \/>\nGustav schaute Frieda ernst an. Er sagte nichts. Frieda war sehr erregt, sie wandte den Blick ab, richtete ihn nach unten, ohne irgendwo bestimmt hinzusehen.<br \/>\n\u201eDenke nach Frieda. Denke gut und in Ruhe nach. Du wei\u00dft, dass du nicht irgendeine Mitarbeiterin bist f\u00fcr mich. Ich habe dir nicht umsonst das Du-Wort angeboten. Ein besonderes Entgegenkommen meinerseits. Du hast immer sehr gut mitgeholfen, meine Vorstellungen umzusetzen. Du hast dich mit ganzer Kraft eingebracht, ja.\u201c Gustav Sundt schaute Frieda Sangbrecht herausfordernd an.<br \/>\n\u201eUnd ja, ich bin der Chef hier, du hast recht und damit bin ich der Verantwortliche f\u00fcr die weitere Zukunft unseres Teams, unseres Unternehmens. Du kannst sicher sein, dass ich mir meiner Aufgabe voll bewusst bin und sie nicht umsonst begonnen habe. Ich habe \u00fcberaus offene Augen und F\u00fchler f\u00fcr die Dinge, die hier laufen und auch f\u00fcr Entwicklungen, die ins Stocken geraten. Wenn ich sowas entdecke, ist es nat\u00fcrlich meine Pflicht, diese falschen Anf\u00e4nge von vornherein zu unterbinden und sie wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.\u201c Und nach einer kurzen Unterbrechung f\u00fcgte er noch hinzu: \u201eSonst w\u00e4re ich ein schlechter Chef, oder?\u201c<br \/>\n\u201eDu warst immer gut zu mir, Gustav. Das ist schon richtig. Aber jetzt ertappe ich mich gerade dabei \u201adu warst\u2018 zu sagen\u201c, Frieda war den Tr\u00e4nen nahe, \u201eAber du musst wissen, ich arbeite so unheimlich gerne hier, hier in dieser Position, in dieser hochverantwortlichen Stellung, die du mir anvertraut hast. Ich fahre gerne durch die Welt, noch dazu\u00a0 mit unseren au\u00dfergew\u00f6hnlichen Produkten im Gep\u00e4ck. Ich \u2026\u201c<br \/>\n\u201eJa? \u2026 Du \u2026?\u201c<br \/>\n\u201eIrgendwie hast du recht, Gustav, ich kann es gar nicht so genau sagen, jetzt, es kommt alles erst so hoch bei mir, momentan, und \u2026\u201c<br \/>\n\u201eEs ist noch nichts entschieden, Frieda. Ich habe noch nicht gegen dich irgendwelche Ma\u00dfnahmen ergriffen. Es ist wirklich nur ein erstes, ernsthaftes Gespr\u00e4ch, das ich f\u00fchren wollte, oder besser f\u00fchren musste, mit dir.\u201c<br \/>\n\u201eIch bin so v\u00f6llig zerr\u00fcttet jetzt in diesem Moment, musst du wissen. Ich arbeite so gerne, ich kann mir nicht vorstellen, es nicht mehr zu tun. Ich kann mir \u00fcberhaupt nicht vorstellen, nicht mehr f\u00fcr dich zu arbeiten. Es w\u00e4re ein Wahnsinn, ein Zusammenbruch, ein \u2026\u201c<br \/>\n\u201eH\u00f6r\u2018 jetzt auf, \u2026\u201c<br \/>\n\u201eEin Wahnsinn. Ich w\u00fcrde mich \u2026 ich wei\u00df nicht, was ich tun w\u00fcrde. Unvorstellbar das. Was bin ich denn ohne diese, meine Arbeit? Ein Nichts. Ein Niemand. Sie ist alles f\u00fcr mich. Sie ist wirklich mein Ein und Alles.\u201c Frieda Christina Sangbrechts Augen waren weit aufgerissen.<br \/>\n\u201eDu wei\u00dft das, Gustav. Ich habe immer alles daf\u00fcr gegeben. Sicher. Das wei\u00dft du. Alles. Und ich will das auch weiter tun. Was soll ich denn sonst tun? Ich \u2026\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKaffee?\u201c \u201eNein, danke. Du hast mich herbestellt. Gibt\u2019s was zu besprechen?\u201c \u201eWie geht\u2019s dir, Frieda?\u201c \u201eAlles okay. Ist nicht schlecht gelaufen in Brooklyn, letzte Woche. 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