{"id":105,"date":"2016-05-13T16:42:42","date_gmt":"2016-05-13T14:42:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/?p=105"},"modified":"2017-12-28T18:11:58","modified_gmt":"2017-12-28T17:11:58","slug":"die-zeit-des-abschieds-ist-gekommen-die-aufgaben-hier-auf-der-erde-sind-erfuellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/105\/die-zeit-des-abschieds-ist-gekommen-die-aufgaben-hier-auf-der-erde-sind-erfuellt\/","title":{"rendered":"Die Zeit des Abschieds ist gekommen. Die Aufgaben hier auf der Erde sind erf\u00fcllt."},"content":{"rendered":"<p>\u2026<\/p>\n<p>\u201eEs wird jetzt Zeit f\u00fcr mich.\u201c<br \/>\nDer Satz schnitt tief in die Hitze der Nachmittagssonne. Es war ein ganz normaler Tag. Ein sch\u00f6ner Tag, wie man so sagt, einer, an dem wenige Wolken zu sehen waren und die Sonne sichtbar strahlte. Alles war ganz normal und gew\u00f6hnlich. Die K\u00fche waren auf der Weide. Rundum. Die Schafe und ein paar Ziegen. Sie verstanden sich recht gut, teilten sich wie jeden Tag die Gr\u00e4ser und\u00a0 die Kr\u00e4uter auf ihren Wiesen.<br \/>\n\u201eJa, ich glaube, meine Zeit ist gekommen.\u201c<br \/>\nSeine Schritte waren immer kleiner und langsamer geworden, als sie in den Wald hineingekommen waren. Frieda C. Sangbrecht begleitete Michael Blankenheim. Sie waren am Weg zu ihrer Waldlichtung. Er hatte darauf bestanden, keinen Arzt mehr zu rufen. Er wollte gehen. Er w\u00fcnschte sich Zusammensein mit seiner Frau und mit dem Himmel. Er wollte keinen medizinischen Aufruhr, keine grellen, technischen Ma\u00dfnahmen. Er wollte im Leben bleiben. In seinem, in ihrem Leben.<br \/>\nBis hierher hatte er es wirklich noch alleine geschafft. Den letzten Abschnitt musste sie ihn st\u00fctzen. Er legte seinen Arm um ihre Schulter.<br \/>\n\u201eTut mir leid. Ich \u2026\u201c<br \/>\n\u201eWir sind gleich da.\u201c<br \/>\nMichael Blankenheim kniete sich auf die Waldwiese.<br \/>\n\u201eWir sind da.\u201c<br \/>\nZwei V\u00f6gel, oben im Ge\u00e4st, besprachen zwitschernd die Lage. Sie waren nicht nerv\u00f6s. Da kamen noch ein paar hinzu. Sie unterbrachen ihr Mittagsschl\u00e4fchen.<br \/>\n\u201eMein K\u00f6rper f\u00fchlt sich so leicht an. So schwach. So bebend. So ungewohnt kribblig. Ich bin so m\u00fcde. Meine Knie, ich muss \u2026\u201c Er legte sich hin.<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>Lass\u2018 uns in uns bleiben.<br \/>\nLass\u2018 uns vertrauen.<br \/>\nWir haben lieben gelernt, meine Frau.\u201c<br \/>\nDie V\u00f6gel hielten kurz an. Als wollten sie lauschen.<br \/>\n\u201eMeine Beine sind so schwerelos. Ich sp\u00fcre sie fast gar nicht. Nur das Herz k\u00e4mpft. Ich \u2026\u201c<br \/>\nEr schloss die Augen. Er \u00f6ffnete siegleich wieder.<br \/>\n\u201eIch glaube, ich muss jetzt gehen. Ich bin so m\u00fcde. Alles ist so weich \u2026 ich kann \u2026 ich kann mich nicht mehr auf ein Bild einstellen. Nicht mehr auf einen Gedanken festlegen \u2026. Bist du noch da?\u201c<br \/>\n\u201eJa, mein Lieber. Ich bin immer da.\u201c Sie l\u00e4chelte. Sie wollte, dass er es sp\u00fcrte.<br \/>\n\u201eRede noch weiter, bitte.\u201c<br \/>\n\u201eMir \u2026 mir fallen so viele Szenen ein, die wir erlebt haben hier. Sie sind so klar und dann \u2026 dann kommen neue. Ich war solange hier. Es war ganz kurz. Ich \u2026 Gedanken fliegen \u2026\u201c<br \/>\n\u201eGeht das so?\u201c Frieda wickelte Haarstr\u00e4hnen \u00fcber ihre Finger.<br \/>\n\u201eDie Haare \u2026 ich m\u00f6chte \u2026\u201c<br \/>\nFrieda C. Sangbrecht hatte die Besonderheit entwickelt in den letzten Jahren, ihrer beiden Haare zu verflechten.<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>\u201eEs gibt keine Trennung.\u201c<br \/>\n\u201eJa, mein Lieber, aber wir sind so klein. Wir wissen und trotzdem wissen wir nichts. Wie wird es jetzt weitergehen?\u201c Es fiel Michael schwer, liegen zu bleiben.<br \/>\n\u201eWie wird das sein? Kennen wir uns dann wieder? Treffen wir uns? Wie lange wird das dauern? Fangen wir dort dr\u00fcben wieder von vorne an, wie hier, als kleine Babies? \u201c<br \/>\nMichael Blankenheim schloss seine Augen. Eine Tr\u00e4ne floss \u00fcber seine Schl\u00e4fe. Er sp\u00fcrte sie noch beim Ohr.<br \/>\n\u201eWir legen den K\u00f6rper ab, wie schaut der neue aus? Wie meiner, wie deiner? Kommst du gleich mit oder kommst du erst viel sp\u00e4ter nach?\u201c Er drehte seinen Kopf zu ihr hin.<br \/>\n\u201eIch bin sehr aufgeregt jetzt, Frieda. Verzeih\u2018. Stell dir vor, mein Herz schl\u00e4gt noch einmal ganz laut. Sag mir, kommst du dann bald nach?\u201c<br \/>\nFrieda schloss ihre Augen kurz, um sie gleich wieder weit aufzumachen.<br \/>\n\u201eIch wei\u00df es nicht, Michael. Ich wei\u00df es nicht. Ich bin ganz durcheinander. Lass uns beten. Ich sp\u00fcre dein Herz so stark. Es geht noch nicht. Ich habe solch gro\u00dfe Angst vor Deinem Gehen jetzt, ich \u2026\u201c<br \/>\nSie hielt den Atem an.<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>Leise sagte sie:<br \/>\n\u201eEs hat Momente gegeben, da war ich sicher, ich kann das: Abschied nehmen, ohne Schmerz. Im Wissen, das Liebe nie vergeht.\u201c<br \/>\nSie schaute ihn an.<br \/>\n\u201eWir wissen vom ewigen Leben, wir kennen die Wahrheit vom Sph\u00e4renwechsel und jetzt? Jetzt f\u00fchle ich mich so schwach. Jetzt wei\u00df ich, wie klein ich bin. Ich dachte, das mache ich beschwingt und gewandt und anmutig.\u201c<br \/>\n\u201eJa, das dachten wir, Frieda und das machen wir auch.\u201c<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>Die Sonne strahlte.<br \/>\nIhre Tr\u00e4nen gl\u00e4nzten.<br \/>\nIhre Augen begannen zu leuchten.<br \/>\nEs war warm. Ganz warm.<br \/>\nDie Umrisse verschwammen.<br \/>\nDie Lichter.<br \/>\nDie Strahlen.<br \/>\nDie Liebe. Sie tut so gut.<br \/>\nDanke.<br \/>\nAuf Wiedersehn.<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 \u201eEs wird jetzt Zeit f\u00fcr mich.\u201c Der Satz schnitt tief in die Hitze der Nachmittagssonne. Es war ein ganz normaler Tag. Ein sch\u00f6ner Tag, wie man so sagt, einer, an dem wenige Wolken&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":106,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[20,21,24,22,23,19],"class_list":["post-105","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auf-erden","tag-auf-erden","tag-der-abschied","tag-der-irdische-tod","tag-die-auferstehung","tag-die-heimkehr","tag-michael-blankenheim"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=105"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/media\/106"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.guentherfloner.at\/einwegohneende\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}